Sexuelle Selbstbestimmung und Sexarbeit

Es gab in der letzten Zeit viel Diskussionen zum Thema Sexarbeit und Prostitution bzw. das Sexkaufverbot . Wir wollen unsere Position darlegen:

Wir positionieren uns klar gegen gegen das Sexkaufverbot bzw. das Verbot von Prostitution. Selbstverständlich stellen wir uns deutlich gegen Zwangsprostitution und befürworten die Selbstbestimmung der Frauen.

Ein Sexkaufverbot kriminalisiert jedoch die Tätigkeit von Sexarbeiter*innen und verstärkt die Stigmatisierung, die mit ihrer Arbeit einhergeht. Ihre Dienstleistung wird durch das Verbot vom öffentlichen Raum in den privaten Raum und vergleichbar schlecht geschützte Räume verdrängt, wodurch sich das Risiko für eine Infektion mit übertragbaren Krankheiten und Gewalttaten erhöht, die bei einem Verbot schwerer zur Anzeige gebracht werden können.

Rechtlich verschlechtert ein Verbot die Situation derer, die diesen Beruf selbstbestimmt ausüben. Ihnen wird sowohl das Recht auf körperliche Selbstbestimmung als auch das Recht auf die Vertretung der eigenen Interessen genommen: Die Bildung eines eigenen Berufsverbandes, wie es der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) ist, wäre beim Schwedischen Modell (wo der Sexkauf verboten ist) beispielsweise nicht zulässig.

Die rechtliche Situation von Sexarbeiter*innen, die gegen ihren Willen tätig sind, würde durch ein Verbot insofern ebenfalls verschlechtert, dass sie für die Hilfs- und Beratungsangebote noch schlechter erreichbar wären. Eine Aufklärung über die eigenen Rechte und die Information über Ausstiegsmöglichkeiten wären folglich stark erschwert, gesundheitliche Prävention nicht möglich.

Gewalt, Frauenfeindlichkeit und der bisher nicht in der Gesellschaft verankerte Konsens-Gedanke zählen zu den Hauptproblemen der Sexarbeiter*innen. Ein Verbot von Sexarbeit adressiert keines dieser Probleme, es begünstigt sogar Gewalttaten. Es steht damit dafür, sich der Verantwortung für diesen notwendigen gesellschaftlichen Wandel zu entziehen und diesen jenen aufzubürden, die diese Probleme nicht von sich schieben können, seien es die Sexarbeiter*innen selbst, die Organisationen, die sich für sie einsetzen, oder die angrenzenden Länder, in denen Sexarbeit nicht untersagt ist.

Wir, die ASF Berlin/XHain, stellen uns dieser Verantwortung. Unsere Arbeit hat diesen gesellschaftlichen Wandel zum Ziel und wir sind der festen Überzeugung, dass die SPD genau dafür steht.

Gerne möchten wir bspw. verweisen auf:

  • Das Deutsche Institut für Menschenrechte:

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/publikationen/detail/prostitution-und-sexkaufverbot#

  • Das gemeinsame Papier des Deutschen Juristinnenbundes, der Aidshilfe, des Frauenrates uvm:

https://www.djb.de/presse/pressemitteilungen/detail/pm19-40/?fbclid=IwAR27cmoB513UJx55fRyzSgCinJsBCz7qQDCGrPeN8-dTYptPsYX9ZpF7OPA