SPD Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg

Herzlich Willkommen in der SPD!

Olivia – wann bist du in die SPD eingetreten und warum?

Im November 2018. Das i-Tüpfelchen waren die Drohungen gegen Schlecky Silberstein, der ein Satire-Video zu den Ereignissen in Chemnitz gedreht hatte, was zu massiven Drohungen seitens der AfD und ihrer Anhänger gegen ihn geführt hat. Das war für mich ausschlaggebend: Wenn es gegen die Pressefreiheit geht – und so hat es 1933 auch angefangen – dann muss man sich professionell organisieren. Für mich hieß das Parteimitglied werden. Überlegt hatte ich aber schon länger.

Ich finde, dass die Gesellschaft wieder mehr zusammen rücken und unsere von der Politik verdrossene Generation jetzt in die Puschen kommen muss. Dafür will ich als gutes Beispiel vorangehen. Und ich will auch meinem Sohn etwas mitgeben: Man darf nicht nur an sich selber denken, sondern muss auch etwas für die Gemeinschaft tun, damit die Gemeinschaft weiterhin zusammen hält.

Und warum hast du dich für die SPD entschieden?

Weil sie für mich die Mitte ist und alles abdeckt und nur die Mitte die Gesellschaft wieder mehr zusammen bringen kann.

Du wohnst hier in der Karl-Marx-Allee und bist demnach auch von dem geplanten Verkauf an die Deutsche Wohnen betroffen.

Ja, aber meine Wohnung liegt im Milieuschutzgebiet und hier hat der Bezirk sein Vorkaufsrecht ausgeübt. Allerdings gibt es bei uns auch einen Mieterbeirat und wir haben uns schnell mit dem Mieterbeirat KMA solidarisiert und mitgeholfen. Hätte Norbert Bogedein (Vorsitzender Mieterverein KMA, Anm.d. Red.) nicht so viel Wind gemacht, hätte der Senat sicher nicht bzw. auf jeden Fall nicht so schnell reagiert. Da bin ich ganz sicher.

Das Tempo war tatsächlich sehr hoch.

Es hat sich schnell herum gesprochen, wie die Deutsche Wohnen woanders mit ihren MieterInnen verfährt und das wollte niemand mit sich machen lassen. Und mit Norbert gab es schon ein Sprachrohr, man musste sich also nicht mehr selber organisieren. Es war alles ganz einfach.

Bei der Rettung der Karl-Marx-Allee schwingt ja unterschwellig immer ein bisschen der Vorwurf mit, dass es hier vor allem deshalb so schnell ging, weil es sich um ein Prestige-Objekt in bester Lage handelt. In anderen Teilen der Stadt würde das genau so passieren, nur bekäme es da kaum jemand mit.

Was entgegnest du darauf?

Woanders sind die Leute offenbar nicht so organisiert. Ich würde Norbert gern dafür verhaften, einen Verein zu gründen, damit auch andere Leute von ihm und unseren Erfahrungen profitieren. Es war zum Beispiel großartig, dass die bundesweite Presse über uns berichtet hat. So wurde klar, dass Leute wie du und ich etwas bewegen und verändern und mitgestalten können. Und jetzt muss man das Momentum nutzen, etwas Größeres daraus machen und anderen Menschen helfen.

Zurück zur Partei – in welchem Bereich möchtest du dich engagieren? Welche Erwartungen hast du vielleicht sogar?

Momentan sauge ich erst einmal alles auf. Frauenrechte interessieren mich sehr – wir müssen stärker werden und uns von alten Lasten befreien. Ich möchte, dass Frauen selbstverständlich selbstbewusster auftreten. Und ein anderes ganz wichtiges Thema für mich ist Jugendbildung: Diese Generation beeinflussen wir, wir müssen uns um sie kümmern und sie auf den richtigen Weg bringen.

Der Schlag kam im Herbst 2018: rund 700 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee sollen an die Deutsche Wohnen verkauft werden. Den betroffenen MieterInnen wurden zwei Monate Zeit eingeräumt, um ihr Vorkaufsrecht zu ziehen. Allerdings hätten sie ihre Wohnung dann auch nur in bar erwerben können, weil eine entsprechende Belastungsvollmacht nicht vorliegt, was wiederum die Mehrheit der potentiell Interessierten ausschließt.

In einer beispiellosen Protestaktion haben sich die MieterInnen zur Wehr gesetzt, kreative Lösungen gefunden und für ihren Fall überregionale Aufmerksamkeit generiert. Die SPD – hier sind aus unserer Abteilung besonders unsere Abgeordnete im Abgeordnetenhaus Dr. Susanne Kitschun und unser damaliger BVV-Verordneter Stephan Ott zu nennen – hat die AnwohnerInnen auf Bezirks- und Landesebene unterstützt, zum Beispiel durch Anträge zur Ausweitung des Milieuschutzes oder für ein Kreditprogramm der landeseigenen IBB.

Derzeit ist der Verkauf aufgrund einer einstweiligen Verfügung gestoppt. Wir bleiben natürlich an dem Thema dran.

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Alexandra Schade

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