Bockbrauerei: Platz für Kultur und Kleingewerbe sichern statt für Amazon und Co.!

Die Bockbrauerei in Kreuzberg

In der BVV wird kontrovers über die Zukunft der Bockbrauerei diskutiert. Die SPD-Fraktion plädiert dafür, in den Verhandlungen mit dem Investor eine Mischnutzung aus Gewerbe und Wohnungen nicht vorab auszuschließen.

Nicht nur Wohnungen, auch Gewerbeflächen sind im Bezirk knapp. Deswegen hat das Bezirksparlament im Sommer 2016 beschlossen, das Gelände der ehemaligen Bockbrauerei im Bergmannkiez als Gewerbestandort zu sichern. Das Bezirksamt hat bereits ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet und plant, das Areal als Gewerbegebiet auszuweisen.

In der Zwischenzeit hat der Eigentümer, die Bauwert AG, dem Bezirk ein Angebot gemacht: Das Archiv der Jugendkulturen und das Theater Thikwa bekommen langfristige Mietverträge zum bisherigen Mietpreis. Teile der alten Brauereikeller werden unentgeltlich für eine künftige Gedenkstätte zur Zwangsarbeit sowie für Kultur zur Verfügung gestellt (angedacht ist ein Kurt-Mühlenhaupt-Museum). Im Bauausschuss hat Bauwert-Chef Jürgen Leibfried zudem in Aussicht gestellt, die bestehende Gewerbestruktur (u.a. mit einer Tanzschule, einer Weinhandlung und Trommelschulen) auch in Zukunft zu erhalten. Im Gegenzug wünscht sich der Investor eine Mischung aus Wohnungen und Gewerbe auf dem Areal anstatt der vom Bezirk favorisierten reinen Gewerbenutzung. Ein Teil der neuen Wohnungen würde preiswert von der landeseigenen Howoge vermietet.

„Wir wollen das Angebot nicht 1:1 annehmen, aber wir halten es für eine vernünftige Verhandlungsgrundlage“, sagt der SPD-Bezirksverordnete John Dahl, der auch Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses ist. Er verweist darauf, dass der Bezirk zwar den Status als Gewerbegebiet mit dem Planungsrecht festschreiben könne. Er könne aber nicht bestimmen, welches Gewerbe dort Platz finden soll. Dahl: „Die größte Rendite bringen teure Büroräume. Wir wollen aber eine Kreuzberger Gewerbemischung und keinen neuen Bürokomplex für Amazon und Co.“

Ähnlich argumentiert Stephan Ott, der die SPD im Wirtschaftsausschuss vertritt: „Wir wollen Platz für Kultur und lokales Gewerbe sichern. Am besten auf dem gesamten Gelände. Aber in Anbetracht der konkreten Möglichkeiten, die sich aus einer Mischnutzung ergeben, könnten weitere Verhandlungen sinnvoll sein. Umso mehr, wenn man sich die andernfalls drohenden Szenarien vor Augen führt. Wichtig ist, dass wir die Zugeständnisse, die wir dem Investor abtrotzen, auch rechtlich absichern.“

Anmerkung: Eine Beschlussvorlage aus dem Stadtplanungsausschuss, das Planungsziel für den B-Plan (bisher: reines Gewerbegebiet) abzuändern, wurde in der Sitzung am 06.12.2017 zunächst zurückgestellt. Im Frühjahr 2018 wird der Vorschlag erneut auf die Tagesordnung kommen.