Neue Flüchtlingsunterkunft im Bezirk – Missbrauch von bürgerschaftlichem Engagement

Übergangsbild

 

Die Unterbringung von Geflüchteten in Friedrichshain-Kreuzberg ist eine Herausforderung: Als einer der am dichtesten bebauten Bezirke in Deutschlands liegt die Zahl der untergebrachten Personen berlinweit auf dem vorletzten Platz. Noch immer müssen viele Flüchtlinge in Turnhallen ausharren. Wer Integration von Flüchtlingen will, und hofft, dass die Turnhallen bald wieder für Sport zur Verfügung stehen, muss auch bereit sein für den Bau von Flüchtlingsunterkünften.

Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte plant nun die Errichtung einer Übergangsunterkunft in Modulbauweise für ca. 160 Personen auf einem Grundstück am Südrand des Friedhofs Friedrichwerder an der Jüterborgerstraße in Kreuzberg. Die SPD Friedrichshain-Kreuzberg befürwortet das Vorhaben der Kirche.

  • Die für den Bau vorgesehenen Flächen werden derzeit nicht als Friedhof genutzt. Sie dienen lediglich zur Ablagerung von Bauschutt und Gartenabfällen. 
  • Tagsüber herrscht in der Jüterborger Straße chaotischer Betrieb zahlloser Buden, die KfZ-Schilder verkaufen. Nachts ist die Gegend finster und unbelebt. Anwohner würden die Aufenthaltsqualität und das Sicherheitsgefühl verbessern.
  • Die innerstädtische Unterbringung von Geflüchteten in lebendigen, bunten Kiezen trägt zu gelungener Integration bei.

Seit Wochen kursieren im Bergmann- und Chamissokiez Unterschriftenlisten zu diesem Vorhaben, die bewusst Falschinformationen verbreiten. Weder sollen, wie vorgegeben, die historisch bedeutsamen Bergmannfriedhöfe bebaut werden, noch handelt es sich um eine permanente Bebauung. Dass auf dem Areal Geflüchtete untergebracht werden sollen, wurde bewusst verschwiegen.
Nach Angaben der Initiative haben mehr als 2000 KreuzbergerInnen bereits unterschrieben. Zahlreiche UnterzeichnerInnen fühlen sich nachträglich betrogen.

Die Sorge mancher Anwohner, dass die die Unterkunft ein Einfallstor zu weiterer Bebauung darstellen könnte, ist ernst zu nehmen. Auch temporäre Bebauung und deren Folgen müssen offengelegt und diskutiert werden. Die Vortäuschung falscher Tatsachen und die Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen jedoch ist eine klare Grenzüberschreitung. Wer so vorgeht, schließt sich selbst von jeder politischen Diskussion aus.

Interessierte BürgerInnen können sich auf der Veranstaltung der Heilig-Kreuz- und Passionskirche am 24.01.17 um 17.00 Uhr in der Passionskirche am Marheinekeplatz 1 zu dem Bauvorhaben informieren.