Die Situation der Gewerbetreibenden am Kottbusser Tor

Am 26. Januar fand die Vor-Ort-Sitzung der Abteilung Luisenstadt im Seminarraum des Café Kotti statt. Wir trafen uns mit Gewerbetreibenden und Anwohnern des Kottbusser Tors, um ihre Sicht auf die aktuelle Problemlage am Kotti zu erfahren.Bild_Kotti

 

Drogenhandel und Drogenabhängige sind seit den 1980er Jahren ein Teil der Realität am Kottbusser Tor. Seither machte der Kotti wiederholt Schlagzeilen und leider zumeist negative. In der jüngsten Zeit hat die Presse erneut verstärkt über Probleme am Kotti berichtet. Ins mediale Rampenlicht gelangte de Kotti zuletzt deswegen, weil sich ortsansässige Gewerbetreibende zusammen geschlossen und wiederholt über zunehmende Kriminalität am Kotti beschwert hatten.
Die anwesenden Gewerbetreibenden und Anwohner*innen beschrieben die aktuelle Lage am Kotti mit drastischen Worten: „Gewalt, Kriminalität, Sexismus, Angst, Diebstahl und Raub“ waren einige der Begriffe, die gleich zu Beginn unseres Gesprächs fielen. Mehrere der Anwesenden brachten zum Ausdruck, dass sie die Situation nicht nur die Anwohner*innen belastet. Für die Gewerbetreibenden würden die aufgrund der Gefahrenlage einbrechenden Umsätze bei gleichzeitig hohen Gewerbemieten eine Existenzbedrohung darstellen. Teilweise würden sich gerade weibliche Kundinnen nur noch tagsüber oder mit männlicher Begleitung in die Läden der Gewerbetriebenden trauen.
Der Gastgeber und Organisator der Initiative der Gewerbetreibenden, Ercan Yasaroglu, schilderte wie Gewerbetreibende schon seit Jahren unterschiedliche Versuche unternommen hätten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen: so hätten sie unter anderem Briefe an Verantwortliche in Bezirk wie z.B. die Bürgermeisterin Frau Hermann und den Innensenator Herrn Henkel geschickt und Politiker*innen verschiedener Parteien die aktuelle Situation am Kottbusser Tor geschildert. Sowohl der Vorstand der Abteilung Luisenstadt und auch unsere Bundestagsabgeordnete haben das Gespräch mit den Gewerbetreibenden vor Ort gesucht um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Die Gewerbetreibenden haben unter anderem Plakate aufgehangen und Dealern und Dieben Hausverbote angekündigt bzw. erteilt. Der gelernte Sozialarbeiter Yasaroglu versuchte auch, mit Drogendealern am Kotti ins Gespräch zu kommen, nach eigener Aussage jedoch erfolglos.
Im Anschluss wurden Lösungsansätze von den Gewerbetreibenden erfragt und zusammen mit der Abteilung Luisenstadt andiskutiert. Dazu gehörten unter anderem mehr Polizeipräsenz, Videoüberwachung, bessere Kriminalitätsverfolgung und Sozialarbeit sowie ein Umdenken in der Drogenpolitik. Nicht alle Fragen konnten auf dem Treffen zu Ende diskutiert wurden. So blieb beispielsweise keine Zeit um auch die Verantwortung der Drogenkonsument*innen für den Drogenhandel und damit zusammenhängende Gewalt zu diskutieren. Manches blieb auch im Unklaren und müsste im Gespräch mit weiteren Instanzen, beispielsweise der zuständigen Polizeidirektion oder dem Quartiersmanagement geklärt werden. Hierzu gehört beispielsweise die Frage nach dem Hintergrund der Täter und danach, inwiefern Dealer und Diebe auf dem Kotti Teil einer bandenmäßig organisierten Kriminalität sind.
Was die Vor-Ort-Sitzung in jedem Fall erreicht haben dürfte ist, dass sich die anwesenden Gewerbetreibenden und Anwohner*innen von der SPD vor Ort ernst genommen fühlen.