Zum Tod von Eva-Maria Scharlippe

Unsere Genossin Eva-Maria Scharlippe, geboren 1937, langjähriges Mitglied der BVV Kreuzberg, überzeugte Sozialdemokratin und anerkannte Bürgerrechtlerin, ist Ende April 2015 gestorben. Am 18. Mai 2015 wird Eva-Maria beigesetzt.

Geboren in Wilmersdorf, aufgewachsen in Britz, hatte Eva-Maria Scharlippe kein leichtes Leben. Nach einer intakten Familie sehnte sie sich seit ihrer Kindheit. Eine Familie, die sie sehr liebte, hat sie sich später mit ihren vier Kindern selbst geschaffen. Dafür hat sie vieles geopfert, trotz aller Widrigkeiten ihres Lebens.

Ende der 60er- Jahre floh sie mit ihren Kindern vor ihrem Exmann in ein Obdachlosenheim. Einige Zeit später hatte sie sich ein neues Zuhause geschaffen. 1974 zog Eva-Maria Scharlippe mit ihren Kindern in das Neue Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor und lebte dort fast 31 Jahre lang.

In dieser Zeit verlor sie ihre siebenmonatige Urenkelin und deren Mutter bei einem Autounfall in Österreich. Daraufhin nahm sich ihr Sohn das Leben. Über den Tod ihres ältesten Sohnes kam sie nie hinweg. „Denn die Menschen sind nicht geschaffen, dass die Kinder zuerst gehen“, so Eva-Maria.

Im Alter litt sie an den Folgen einer schweren Diabetes. Deshalb mussten ihr beide Unterschenkel amputiert werden, zuerst der eine, ein paar Jahre später der zweite.

Bis zu ihrem Tod lebte Eva-Maria Scharlippe im Seniorenheim in der Gitschiner Straße. Dort hat sie sich sehr wohlgefühlt, in der kleinen Wohnung und auf ihrem Balkon. Sie hat sich nie beklagt. Stets hat sie das Beste aus jeder noch so schlimmen Situation gemacht, selbst als sie im Rollstuhl sitzen musste. Das politische Leben hat sie bis zuletzt aktiv verfolgt.

Anfang der 80er Jahre begann sie sich politisch zu engagieren, in der Hausbesetzerszene, später auch gegen Übergriffe der Polizei in Kreuzberg.

1982 ist sie in die SPD eingetreten. Sie war eine überzeugte Sozialdemokratin. Versuche der Grünen, sie von einem Parteiwechsel zu überzeugen, sind an ihrer Liebe zur Sozialdemokratie und an ihrer Standfestigkeit gescheitert: „Ich bin keiner, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt. Einmal SPD – immer SPD“, so Eva- Maria. 14 Jahre lang saß Eva-Maria für die SPD in der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Als sie am Neuen Kreuzberger Zentrum hautnah die Entwicklung der harten Drogenszene erlebte, begann sich Eva-Maria in der BVV aktiv für die Interessen und gesundheitliche Versorgung der Drogenabhängigen einzusetzen. 22 Jahre lang kämpfte sie für die Schaffung von Druckräumen. Am Ende war dieser Kampf von Erfolg gekrönt. Die Druckrauminitiative zählt zu ihren wichtigsten Verdiensten in der Kreuzberger Kommunalpolitik.

Für ihr politisches Engagement wird Eva- Maria Scharlippe im Jahre 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, überreicht durch die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Das war eines der Highlights in ihrem Leben.

Stets hat sie mit vollem Einsatz für ihre sozialen Ziele gekämpft. In einem langen und wechselvollen Leben hat Eva Maria alles für ihre Kinder, für ihre SPD und für ihren Kiez gegeben. Sie war eine tapfere Frau, eine liebevolle Mutter und mit Leib und Seele Kommunalpolitikerin.

Auf alle, die sie kannten, hat Eva-Maria einen großen Eindruck gemacht und Bewunderung hervorgerufen. Mit ihrer geraden, grundehrlichen Art wird sie uns stets in Erinnerung bleiben.

Sevim Aydin (Vorsitzende der Abteilung 8)
und Hannelore Rath-Kohl (Vorsitzende der AG 60+)