Tag der guten Arbeit

Sie waren viele und sie waren laut. 12 000 Menschen sind am Mittwoch in Berlin auf die Straße gegangen, um für gute Arbeitsverhältnisse und ein soziales Europa zu demonstrieren. In Schöneweide stellten sich 2000 Demonstranten rund 450 Neonazis entgegen.

Sie wollen nicht mehr im Schatten stehen. Auf dem Transparent haben sie deshalb den Mittelteil des Satzes weggestrichen. Ursprünglich stand dort „Berlin – Hauptstadt der prekären Beschäftigung und der Altersarmut im Herzen Europas“. Nach dem kleinen Eingriff ist nur noch „Berlin – Hauptstadt im Herzen Europas“ zu lesen.

Der Satz passt zum Motto, das der Deutsche Gewerkschaftsbund für den diesjährigen Ersten Mai ausgegeben hat. „Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa.“ lautet es und es kommt nicht von ungefähr, dass Europa auch im Jahr der Bundestagswahl eine wesentliche Rolle an diesem „Tag der Arbeit“ spielt. Denn Arbeit fehlt im Süden des Kontinents. In Spanien und Italien ist nahezu jeder zweite unter 30 Jahren arbeitslos.

Richtungswechsel für Europa

„Wir müssen endlich die Menschen und nicht die Finanzmärkte in den Mittelpunkt unserer Politik stellen“, fordert so auch Philipp Steinberg, stellvertretender Vorsitzender der Berliner SPD und Bewerber für eine Kandidatur zum Europaparlament. Für Steinberg ist klar: „Auch in Europa geht es um einen Richtungswechsel.“

„Wir sind am Ersten Mai unterwegs, um für gerechte Entlohnung, sichere Renten und eine solidarische Gesellschaft Flagge zu zeigen“, erklärt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh. Es gebe nur wenige Feiertage, an denen die Menschen zusammenkämen, um für ein gerechtes und soziales Zusammenleben einzutreten. „Es macht mich froh, dass an diesem Ersten Mai wieder so viele unterwegs sind.“

Neonazis konsequent entgegentreten

Und das gilt am Mittwoch nicht nur bei der zentralen Demonstration des DGB, die vom Hackeschen Markt zum Brandenburger Tor führte, sondern für die gesamte Hauptstadt. „Auch bei vielen Bürgerfesten in der Stadt begeht die SPD das Maifest“, stellt der Berliner Parteivorsitzende Jan Stöß klar. „In Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern werben wir für eine Politik der sozialen Gerechtigkeit und der internationalen Solidarität.“

Cansel Kiziltepe hatte damit schon in der Nacht zum Ersten Mai begonnen. Die Bundestagstagskandatin für Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg Ost hatte im „Lido“ bis in die frühen Morgenstunden Bier ausgeschenkt und Cocktails gemixt. „Ich will damit zeigen, dass wir Arbeit mehr wertschätzen müssen und es sich lohnt, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen.“ Deshalb ist Kiziltepe nach nur wenigen Stunden Schlaf zum Hackeschen Markt geeilt, um an der Demo des DGB teilzunehmen. „Es ist wichtig, dass SPD und Gewerkschaften zusammenstehen, um das möglichst Beste für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erreichen.“

Zusammen standen die Genossen auch im Südosten der Hauptstadt. Sie stellten sich mit 2000 Demonstranten rund 450 Neonazis entgegen, die durch Schöneweide zogen. Unter den Demonstranten waren Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und die SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss Eva Högl. „Angesichts der Gefährlichkeit der rechten Szene ist es wichtig, Neonazis konsequent entgegenzutreten“, so Högl.

Fotos von der Demo zum Ersten Mai finden Sie hier.