„Gewalt hat keine Ehre“ – Das Jungenprojekt HEROES zu Gast bei der AG Migration

„Gegen Gewalt und Unterdrückung an jungen Frauen und Männern im Namen der Ehre“: Das ist das Thema des Selbsthilfeprojekts HEROES, deren Gruppenleiterin Eldem Turan am 12. Februar bei der AG Migration zu Gast war.

Das Projekt wurde 2007 in Berlin gegründet und organisiert regelmäßige Trainings und Workshops, in denen sich junge Männer, die selbst aus patriarchalischen geprägten Gesellschaften kommen, mit Themen, wie Ehre, Identität, Gleichberechtigung, Menschenrechte und Geschlechterrollen auseinandersetzen.  Am Ende der Trainingsphase steht eine Zertifizierung, die es den ausgebildeten HEROES erlaubt, eigene Workshops für andere Jungen und Mädchen zu leiten.

Neben Trainings und Workshops gibt HEROES ebenfalls Fortbildungen an Schulen, Behörden und Polizei, bildet zu HEROES-Gruppenleitern in anderen Städten aus, organisiert Mädchentreffen und macht viel Öffentlichkeitsarbeit.

Eldem Turan berichtete, dass  Jugendliche oft eine undeutliche Vorstellung von „Ehre“  haben, die es nach anfänglichen Diskussionsschwierigkeiten oft ermöglichen, andere Vorstellungen von einem „ehrenhaften“ Verhalten in die Diskussion einzubringen.  Ein wichtiger Unterschied zu anderen Projekten ist, dass sich ausschließlich Jungen für die Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen stark machen und der Dialog mit den Workshop-Teilnehmer/innen auf Augenhöhe stattfindet – von Jugendlichen zu Jugendlichen. Diese „Ansprache auf Augenhöhe“ ist wichtig, damit die HEROES in den verschiedenen Communities als Rollenvorbilder  wahrgenommen werden können.

In der weiteren Diskussion mit Eldem wurde deutlich, dass auch andere Elemente dieser speziellen Jungenarbeit einen wertvollen Beitrag für die Berliner Projektelandschaft bringen: Durch das  Infragestellen  von starren Geschlechterrollen und dem aktiven Zugehen auf  Schulen, wie auch schon mal in Lichtenberg, wird auch ein Beitrag zur Aufklärung und Hinterfragung von Rollenklischees in der  deutschen Mehrheitsgesellschaft  geleistet. Eldem Turan berichtete, dass das Projekt derzeit finanziell gefährdet ist und bat die Arbeitsgemeinschaft um ihre Unterstützung. „Trotzdem wir verschiedene Integrationspreise gewonnen haben und Spitzenpolitiker unser Projekt hoch loben, mangelt es an aktiver finanzieller Unterstützung“, so Eldem Turan.

Der Arbeitsgemeinschaft Migration ist es wichtig sich mit Fragen zu Ehrvorstellungen und überholten Rollenbildern in den Communities zu beschäftigen. Dazu brauchen wir gemeinsame und offene Diskussionen, die die gesellschaftlichen Akteure, wie HEROES  in ihrer Arbeit unterstützen. Diese wichtigen gesellschaftlichen Fragen werden leider derzeit medial stark von Populisten besetzt, leider auch aus der SPD. Gegen diese Vereinfachungen und Pauschalisierungen lassen sich nur Lösungsansätze entgegenhalten, die immer auch den Einzelnen achten und „auf Augenhöhe“  stattfinden.

Autor: Mario Helwig (Kontakt: mario.helwig@spd-online.de)