Mietprobleme, Gentrifizierung und ein Spaziergang – unsere Arbeit im Dezember

Der Monat Dezember stand bei den Jusos Friedrichshain-Kreuzberg unter dem großen Thema Wohnen im Bezirk. Welche Veränderungen und Probleme gehen mit dem Zuzug von neuen, oft besser situierten Menschen einher? Können Verdrängungsprozesse sozial abgefedert oder müssen sie politisch verhindert werden? Wie lebt es sich in unserem Bezirk und welche Möglichkeiten gibt es, dass Miteinander im Bezirk zu gestalten. Mit diesen Fragen haben wir uns beschäftigt und uns dazu mit ganz unterschiedlichen Initiativen und Vereinen getroffen, die sich im Bezirk engagieren und durch ihre Arbeit ihr Umfeld aktiv mitgestalten.

Einen ersten Einblick in die Sachlage und Probleme der Menschen im Bezirk haben wir bei zwei Schichten, die wir beim Protestcamp von Kotti & Co. übernommen haben, gewinnen können. Die Initiative Kotti & Co. wurde von Anwohner_innen rund um das Kottbusser Tor gegründet, die durch das Auslaufen des sozialen Wohnungsbauprogramms von extrem steigenden Mieten und Kündigungen bedroht sind. Seit Mai haben sie mit ihrer Initiative die Probleme sichtbar gemacht und ihren Protest auf die Straße und in die Öffentlichkeit getragen. Mit wöchentlichen Demos und einem Infozelt am Kottbusser Tor haben die Anwohner_innen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Sie fordern unter Anderem die Wiedereinführung einer Mietobergrenze und den Stopp von Zwangsumzügen.

Inzwischen ist aus dem Infozelt ein behaglicher und beheizter Container geworden, der tagsüber besetzt ist und dazu einlädt, dass Anwohner_innen, Betroffenen und Interessierte bei einem gemütlichen Kaffee miteinander ins Gespräch kommen können.

 

Bei unserem ersten regulären Sitzungstermin haben wir dann UBI KliZ e.V. im Mieterladen besucht. Seit über 20 Jahren bieten die Mitarbeiter des Vereins in der Kreutzigerstraße Miet- und Sozialberatungen an und haben dabei die Veränderungen im Kiez hautnah miterlebt. So haben wir erfahren, dass am Anfang die Menschen häufig in die Beratung kamen, wenn es um die Probleme rund um die Sanierung ihrer Wohnungen ging. Heute geht es eher um den generellen Mietanstieg in Friedrichshain, der in den vergangenen Jahren ein solches Niveau erreicht hat, dass auch Menschen mit mittleren Einkommen oft nur der Wegzug aus dem Kiez bleibt. Am stärksten sind von diesen Problemen aber Menschen betroffen, die von Sozialhilfe leben müssen und sich oft nach Jahren im Kiez nach einer neuen Wohnung umsehen müssen.

Einen nicht unwesentlichen Teil tragen Hostels und Ferienwohnungen zu den Problemen auf dem Wohnungsmarkt bei. Insbesondere bei Ferienwohnungen fehlt es an gesetzlichen Regelungen und Kontrollen, es besteht ein großer informeller Sektor.

 

Den letzten Teil unserer Themenreihe bildete ein Kiezspaziergang durch das winterliche Kreuzberg. Vom Ostbahnhof ging es zunächst zum Bethanien, einem ehemaligen Diakonissen-Krankenhaus, in dem heute viele soziale Projekte Unterkunft gefunden haben, darunter auch zwei linke Wohnprojekte, die aus Hausbesetzungen hervorgegangen sind. Das bekannteste darunter das Georg-Rauch-Haus.

Von dort aus ging es weiter zur Markthalle 9, die nach jahrelangem Lehrstand heute wieder als eine solche genutzt wird. Ausgehend von einer Initiative mehrerer Anwohner_innen finden heute wieder Wochenmärkte in den historischen Hallen statt, auf denen man in erster Linie regionale und biologische Anbieter findet. Auch Kunstmärkte, Theateraufführung und andere kulturelle Veranstaltungen finden hier statt. Parallel dazu befinden sich in der Markthalle auch ein Aldi und Kick. Hier wird deutlich wie im Bezirk zwei verschiedene Welten aufeinander prallen und nebeneinander existieren.

Anschließend haben wir nochmal bei Kotti & Co. vorbeigeschaut um auch denjenigen, die sich nicht an den Schichten beteiligen konnten, die Initiative und ihre Forderungen vorzustellen. Bei netten Gesprächen und einem Kaffee haben wir uns dort aufgewärmt bevor es zu unserer letzten Etappe, dem Weihnachtsmarkt im Prinzessinnengarten ging.

Der Prinzessinnengarten war eine Brache am Moritzplatz die seit einigen Jahren von einer Bürgerinitiative als Garten genutzt wird. In mobilen Pflanzkästen werden dort verschieden Obst -, Gemüse- und Kräutersorten biologisch angebaut und zum Verkauf oder Verzehr im Gartenkaffee angeboten. Der Garten lebt von dem ehrenamtlichen Engagement der Menschen und steht allen Menschen offen, die sich dort betätigen wollen. Doch auch diese Initiative ist, wie viele andere, in ihrer Existenz bedroht. Die Nutzungsrechte für die Brache werden vom Bezirk immer nur für ein Jahr vergeben. 2013 wird es den Prinzessinnengarten noch geben, was danach kommt, ist ungewiss