Eine Platzfrage

Würden alle Kinder im Juni zur Welt kommen, hätten es ihre Eltern leichter mit der Betreuung und müssten keine Betreuungslücke befürchten. Die Rechnung ist ganz einfach: Kinder, die im Juni geboren werden und deren Eltern gut ein Jahr Elterngeld in Anspruch nehmen,  können gleich im neuen Kita-Jahr in die Kita aufgenommen werden. Denn das Kita-Jahr beginnt regulär am 1. August, das Platzangebot ist zu dieser Zeit am größten. Versuchen dagegen Eltern, im Februar oder März einen Kita-Platz zu finden, können sie bisweilen lange suchen.

Katrin Molkentin hat Glück gehabt. „Mein erstes Kind wurde im Juni geboren“, erzählt die zweifache Mutter, die Mitglied im Landeselternausschuss Kita ist. Molkentin spricht vom Problem der „Augustbefriedigung“, mit dem viele Eltern zu kämpfen hätten – besonders in den Bezirken in der Berliner Innenstadt.  Im Vergleich mit anderen Bundesländern sei Berlin allerdings bereits sehr weit.

Chancen und Probleme des Kita-Ausbaus

Die SPD Am Südstern hat am 1. Dezember zu einem familienpolitischen Brunch in das Kreuzberger AWO Begegnungszentrum eingeladen, um über Chancen und Probleme beim Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung zu sprechen. „Ab 1. August 2013 haben Kinder einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege“, weiß die stellvertretende Vorsitzende der Südstern-SPD, Nicole Groß. „Wir wollen ausloten, wie weit Berlin in diesem Bereich ist und was noch getan werden muss.“

„Wir wollen die Chancengleichheit von Kindern und die Familienfreundlichkeit in Berlin weiter verbessern. Jedes Kind, das Anspruch auf einen Platz hat, soll auch einen bekommen“, sagt Sigrid Klebba. Sie ist Staatsekretärin für Jugend und Familie des Landes Berlin. Ihre Senatorin Sandra Scheeres (SPD) hat das Landesprogramm „Auf die Plätze, Kitas, los! Kitaausbau 2012-2015“ aufgelegt. Dabei ist der jüngst veröffentlichte „Bedarfsatlas“ für den Kita-Ausbau eine wichtige Grundlage. Der Senat hat darin den Bedarf an Betreuungsplätzen nach Bezirken aufgeschlüsselt erfasst.

In diesem und im kommenden Jahr stellt das Land darin 20 Millionen Euro für den Ausbau des Berliner Kita-Angebots bereit. Bis Ende 2015 sollen in Berlin bis zu 19 000 neue Kitaplätze geschaffen werden. Auch 2013 können Träger noch Anträge auf Starthilfen oder auf Förderung baulicher Maßnahmen stellen.

„Die Kita-Situation ist unübersichtlich“

„Das war ein Kraftakt“, sagt Klebba, doch er habe sich gelohnt. „Mehr als 1000 zusätzliche Plätze konnten seit dem Start bereits geschaffen werden.“ Roland Kern reicht das nicht. „Wir brauchen nicht nur am 1. August genügend Kita-Plätze, sondern insgesamt eine Reserve im System“, fordert der Sprecher des Dachverbands Berliner Kinder- und Schülerläden. Sei diese nicht gewährleistet, drohe zwar nicht insgesamt, aber immer wieder an einzelnen Stellen „ein gefühlter Mangel“.

„Die Kita-Platz-Situation ist teilweise unübersichtlich“, hat Klaus-Harald Straub festgestellt. Nach Ansicht des Pädagogischen Leiters von „Kindergärten City“, eines Landesunternehmens, das 57 Kindertageseinrichtungen in Berlin betreibt, sind  der fehlende Abgleich von Kita-Wartelisten sowie die Verteilung der Kita-Plätze das Hauptproblem. Manche Eltern stünden auf mehreren Wartelisten gleichzeitig. Zudem bestehe in manchen, vor allem außerstädtischen Bezirken ein Überangebot. „In anderen Bereichen könnten wir dagegen einen Kita-Platz gleich dreimal vergeben.“

„Daran arbeiten wir“, verspricht Staatssekretärin Klebba. Mithilfe eines IT-Systems soll im kommendem Jahr die Kita-Platz-Vergabe flexibler und transparenter werden.

Was brauchen die Kinder?

„Frühkindliche Bildung findet nicht nur in Einrichtungen, sondern auch in der Familie statt“, stellt Christiane Börühan fest. „Wir dürfen nicht nur über Platzzahlen und Kosten diskutieren, sondern müssen uns vor allem fragen, was Kinder brauchen“, fordert die Ansprechpartnerin bei der AWO Spree-Wuhle für verschiedene Eltern-Kind-Programme.  Diese stärkten nicht nur die Elternkompetenz, sondern hülfen auch, Familie und Kita enger zu verzahnen und damit Kinder besser zu unterstützen.

Alle Expertinnen und Experten sind sich darin einig, dass Qualität in Kitas nur mit ausreichenden Ressourcen realisierbar ist. Insbesondere die Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Jugendhilfe sei eine der größten Herausforderungen für Politik, Träger und Einrichtungen in den kommenden Jahren.

Dass ein erfolgreicher Kita-Ausbau auch wichtig für die Gesellschaft ist, betont zum Schluss noch Björn Eggert. „Die Kita ist ein wichtiges Element zum Einstieg in eine erfolgreiche Bildungskarriere“, sagt der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Grundlagen für den Aufstieg durch Bildung werden bereits  in der frühkindlichen Bildung gelegt.“