Das Projekt „Kreuzberg handelt – Wirtschaften im Quartier“

Am 27. September 2012 war die ASF Friedrichshain-Kreuzberg bei LOK e.V., Zentrum für Existenzgründung in Berlin-Kreuzberg zu Gast. Luna Weineck stellte das Projekt „Kreuzberg handelt – Wirtschaften im Quartier“ vor. 730 ExistenzgründerInnen und UnternehmerInnen in prekären Lebensverhältnissen hat das Projekt inzwischen unterstützt. „Kreuzberg handelt“ bietet Existenzgründungsseminare an, berät individuell und übernimmt Vernetzungsaufgaben. Außerdem sind die Mitarbeiterinnen des Projekts für viele Gewerbetreibende Ansprechpartnerinnen, wenn ihnen etwas auf den Nägeln brennt.

„Die Gewerbetreibenden haben sich zuletzt über die Peace Wall im Rahmen der Bienale empört. Plötzlich trennte über Nacht wieder eine Mauer die Friedrichstraße, die ihnen die Geschäfte kaputt gemacht hat. Wir haben uns dann gemeinsam mit ihnen dafür eingesetzt, dass die Mauer früher abgebaut wird“, so Luna Weineck.

„Kreuzberg handelt“ kümmert sich hauptsächlich um das „Goldene Dreieck“ mit den Quartieren Wassertorplatz, Mehringplatz und Kottbusser Tor. Die Situation vor Ort zu verbessern ist das Ziel.

„Ein ganz besonderes Projekt war z.B. die FrauenKunstKarawane am Mehringplatz. Hier haben wir zwei Interessen zusammengebracht. Die Gewerbetreibenden am Mehringplatz wollten mehr Laufkundschaft und zehn Künstlerinnen aus Marzahn-Hellersdorf haben nach einem Ausstellungsort gesucht. Ergebnis war, das vom 1. Juli bis 30. Juli 2011 BesucherInnen auf den Spuren der FrauenKunstKarawane am Mehrplatz wandeln konnten“, sagt Luna Weineck.

Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die Ansiedlung neuer Gewerbetreibender in den Quartieren. Gleich zu Projektbeginn hat „Kreuzberg handelt“ daher einen Ideenwettbewerb veranstaltet. Gewinnerin war Elke Freimuth mit dem Projekt „eat-the-world“. Freimuth bietet inzwischen kulinarisch-kulturelle Stadtführungen in Berlin, Hamburg und München an. Allein im Berliner Büro arbeiten inzwischen zwei MitarbeiterInnen.

Auf die Frage, wo konkreter Handlungsbedarf in Kreuzberg ist, antwortete Luna Weineck: „Bei Alleinerziehenden gibt es deutlichen Handlungsbedarf. Wir haben hier im Quartier so viele Alleinerziehende, die in Armut leben. Hier ist ein ganzheitlicher Ansatz gefragt: nicht nur die Betreuung der Kinder ist wichtig, sondern auch neue Wohnformen zur gegenseitigen Unterstützung, Netzwerke für Ideenaustausch, Initiativen und Aktivierung zur Existenzgründung als beruflicher Alternative, aber da stoßen wir noch auf taube Ohren im Bezirk“.

Das konnte die ASF-Friedrichshain-Kreuzberg nur bestätigen.

Etwa 155.000 Alleinerziehende leben in Berlin – das sind rund ein Drittel aller Familien und damit fast doppelt so viele wie in anderen Bundesländern.
Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dominiert eindeutig der Familientyp allein erziehend. In 42 Prozent der Familien wachsen Kinder in der Regel bei einem Elternteil, meist bei der Mutter, auf.

Die Armutsgefährdung ist stark von der Haushaltszusammensetzung abhängig. Kinder ohne Einkommen bzw. eine reduzierte Zahl von Einkommensbeziehern wie in Haushalten von Alleinerziehenden erhöhen die Armutsgefährdung für alle Personen, die in diesen Haushalten leben. Die Armutsgefährdung von Alleinerziehenden (mit einem Kind) liegt in Berlin mit 23,7 Prozent an dritter Stelle. In den Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln lebt jedes zweite Kind in Armut. Daher ist davon ausgehen, dass auch der prozentuale Anteil armutsgefährdeter Alleinerziehender im Bezirk deutlich höher liegt, als in Gesamt-Berlin.

Die SPD-Bezirksverordnete Tessa Mollenhauer-Koch hatte sich im Sommer nach Netzwerken für Alleinerziehende erkundigt und gefragt, ob das Netzwerk Alleinerziehender im Bezirk Marzahn-Hellersdorf auf Friedrichshain-Kreuzberg anwendbar sei.

Das Netzwerk Alleinerziehender sei in der Folge des sehr hohen Anteils Alleinerziehender im Bezirk Marzahn-Hellersdorf entstanden, antwortet das Bezirksamt. Die Familienstruktur sei in Friedrichshain-Kreuzberg im Vergleich zu Marzahn-Hellersdorf sehr gemischt und daher ein ähnliches Netzwerk auf Friedrichshain-Kreuzberg nicht anzuwenden.

„Das Bezirksamt ist hier schlicht auf dem Holzweg. Ein Blick in den jüngst veröffentlichten Berliner Familienbericht zeigt ein anderes Bild. In Marzahn-Hellersdorf liegt der Anteil der Alleinerziehenden bei 40 Prozent  und damit noch unterhalb der 42 Prozent für Friedrichshain-Kreuzberg. Die ASF-Friedrichshain-Kreuzberg wird sich um das Thema weiter kümmern und hier noch einmal einen Vorstoß machen“, versprach die ASF-Kreisvorsitzende Martina Hartleib.