Christopher Street Day in Kreuzberg

Jan Stöß und Fred Bressem

Der Schwuso-Kreisvorsitzende Fred Bressem (rechts) mit dem SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß.

Anlässlich der Parade zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag, 23. Juni in Kreuzberg haben wir ein Interview mit dem Kreisvorsitzenden der Schwusos, Fred Bressem geführt.

Was bedeutet der CSD für Dich?

Fred Bressem: Der CSD ist eine sehr gute Gelegenheit für Schwule und Lesben, Präsenz zu zeigen. Wir sind viele, wir sind vielseitig, wir sind bunt, wir sind schrill, wir sind konservativ, wir sind altbacken – bei uns sind Menschen unterschiedlichster Couleur vertreten. Das ist die Botschaft, die vom CSD ausgeht. Gleichzeitig gedenken wir an diesem Tag derer, die in der Vergangenheit unterdrückt wurden und in weiten Teilen der Welt immer noch unterdrückt werden. Dafür gehen wir am Samstag auf die Straße.

Aktionen der SPD zum CSD

Fr, 22. Juni, 14.00–17.00 Uhr

  • Empfang der Schwusos im WBH
  • issen die Regenbogenfahne
  • Vorstellung der diesjährige CSD-Kampagne unter dem Motto „Traut Euch…“ – für die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule
  • Kultur, u.a. „Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz“

Sa, 23. Juni, 12.00-16.00 Uhr

  • Party vor der Spitze des WBH
  • Musik von DJane Gloria Viagra
  • Speisen (Curry 36), Getränke
  • Fotoausstellung „Walk with Pride“ des Fotografen Charles Meacham
  • Auf dem Schwuso-Wagen: Klaus Wowereit, Jan Stöß

Die CSD-Parade ist also kein Party-Umzug?

Die politische Demonstration steht eindeutig im Vordergrund. Leider ist der CSD in der letzten Zeit zunehmend kommerziell geworden und dadurch als Partyveranstaltung etwas in Verruf geraten. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändert haben. Homosexuelle haben heute bei weitem nicht mehr die Coming-Out-Schwierigkeiten wie noch vor 20 bis 30 Jahren. Da ist die Gesellschaft glücklicherweise viel offener geworden.

Schwule und Lesben werden mittlerweile voll und ganz akzeptiert?

Nein, soweit sind wir leider noch nicht. In Deutschland hat sich die Situation deutlich verbessert. Aber man muss nur nach England und vor allem nach Osteuropa gucken. Dort trauen sich Jugendliche oft nicht, sich zu outen und auch die Selbstmordrate von Homosexuellen ist sehr hoch.

Welche Probleme gibt es in Deutschland?

Es gibt noch immer keine volle Gleichstellung eingetragener Partnerschaften mit der Ehe. Es gibt Nachholbedarf im Adoptionsrecht und beim Erbrecht. Das sind aus meiner Sicht zurzeit die Hauptbaustellen.

Der diesjährige CSD steht unter dem Motto „Wissen schaff Akzeptanz“. Wissen die Menschen einfach zu wenig, was Homosexuelle bewegt?

Es gibt immer noch eine Menge Vorurteile und Klischees. Viele Vorstellungen über Schule und Lesben werden überliefert und halten sich dauerhaft, obwohl sie schon längst widerlegt wurden. Leider gibt es viel zu wenige, die offen auf Schwule und Lesben zugehen, Fragen stellen und sich bemühen, ihre eigenen Vorurteile zu bekämpfen. Der CSD ist nicht zuletzt auch ein Angebot an Heterosexuelle, sich mit uns zu beschäftigen und uns kennenzulernen. Solch einen guten Querschnitt durch die Welt der Schwulen und Lesben gibt es sonst selten zu erleben.

Die CSD-Parade zieht in diesem Jahr zum ersten Mal durch Kreuzberg. Bedeutet Dir das etwas?

Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich sehr, dass die Parade in diesem Jahr auf der Gitschiner Straße in Kreuzberg startet. Neben Schöneberg ist Friedrichshain-Kreuzberg ja ein sehr schwuler Bezirk. Es gibt hier das „schule Museum“, viele Clubs, Theater und Partys – und nicht zuletzt das „schwul-lesbische Parkfest“ im August. Mittlerweile ist es das viertgrößte schwul-lesbische Event in Berlin. Mit der CSD-Parade rücken wir natürlich noch ein wenig mehr ins öffentliche Bewusstsein des Bezirks. Ich bin gespannt, wie das ankommt.

Fred Bressem ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schwulen und Lesben in der SPD (Schwusos). An jedem ersten Samstag im Monat lädt er in die „Drama-Bar“, Mehringdamm 63, zum  gemütlichen Kaffeetrinken und an jedem dritten Mittwoch im Monat zum Stammtisch im „Himmelreich“, Simon-Dach-Straße 36, ein.

Foto Startseite: Till Krech (Lizenz: CC BY 2.0)